NTP und Zeit
Die wichtigsten Befehle zum Merken
timedatectl status— Systemzeit und Zeitzone prüfen.chronyc tracking— die Synchronisationsschätzung untersuchen.chronyc sources -v— Quellen und Auswahlzustände prüfen.
Befehle und Optionen
| Befehl oder Option | Bedeutung |
|---|---|
timedatectl status |
Lokal-/UTC-Zeit und verfügbaren Synchronisationsstatus zeigen. |
chronyc tracking |
Referenz, Offsets, Frequenzkorrektur und Unsicherheitsfelder anzeigen. |
chronyc sources -v |
Quellen mit Legende für Modus und Auswahlzeichen auflisten. |
Tracking-Offsets sowie Root Delay/Dispersion stehen in Sekunden. Quellproben können ms oder us verwenden. Frequenz wird in Teilen pro Million angegeben. Reach ist ein oktales Erreichbarkeitsregister, kein Prozentsatz.
Die entscheidenden Konzepte
1. Uhren driften auch ohne manuelle Änderung
Der Oszillator eines Rechners hält Zeit nicht perfekt. Ohne Korrektur entfernt sich seine Uhr von anderen. NTP tauscht Zeitstempel aus, um Abweichung zur Quelle zu schätzen und die Uhr anzupassen.
Synchronisation ist fortlaufende Schätzung statt einmaliger Einstellung. Virtualisierung, Netzwechsel, Standby und Oszillatorverhalten können die nötige Korrektur verändern.
2. Netzverzögerung schafft Unsicherheit
Nachrichten brauchen Zeit in beide Richtungen. Der Client schätzt Verzögerung und Offset; asymmetrische Wege können diese Schätzung verschieben.
Mehrere Proben und Quellenauswahl helfen gegen schlechte Messungen. Stratum beschreibt die Entfernung in der Verteilungshierarchie, keine einfache Genauigkeitsnote. Eine niedrige Stufe über schlechten Netzweg ist nicht automatisch die beste Quelle.
3. Kalenderzeit und vergangene Dauer haben verschiedene Zwecke
Kalenderzeit liefert Zeitstempel für Logs, Tokenablauf und Termine. Die Zeitzone ändert deren Darstellung, nicht den zugrunde liegenden Zeitpunkt.
Für Dauern braucht es eine passende monotone Uhr, damit Kalenderkorrekturen Timeouts nicht zurück- oder vorspringen lassen. Unter Linux unterscheiden monotone Uhren sich unter anderem bei Standby-Zeit. Wähle nach gemessener Dauer statt nur nach vertrauter API.
4. Synchronisiert bedeutet nicht perfekt gleichzeitig
Ein Synchronisationsstatus beschreibt die aktuelle Einschätzung des Zeitdienstes. Restabweichung und Unsicherheit bleiben. Zeitabgleich hilft bei Anmeldung und Logkorrelation, bestimmt aber keine exakte Kausalreihenfolge zwischen Rechnern.
Anfragekennungen und Trace-Beziehungen verbinden Ereignisse oft zuverlässiger als Sortierung fast gleicher Zeitstempel. Prüfe Quellenerreichbarkeit und Unsicherheit, bevor vermeintlich vertauschte Zeiten als Anwendungsfehler gelten.
Ein kleines Beispiel
Optional: Untersuche einen vorhandenen chrony-verwalteten Linux-Host. Die Befehle lesen Status, stellen aber keine Uhr und starten keinen Dienst neu.
timedatectl status
chronyc tracking
chronyc sources -v
Vergleiche lokale Zeit, UTC und Zeitzone. Prüfe Referenz, Leap-Status, Systemzeitkorrektur und Unsicherheitsfelder. Die Quellenlegende erklärt ausgewählte, verworfene oder unerreichbare Quellen; tatsächliche Marker hängen vom Zustand ab.
Ein aktiver NTP-Dienst beweist keine gelungene Synchronisation. Fehlendes chronyc kann auch bei anderem laufendem Zeitdienst auf fehlendes oder unzugängliches chronyd hinweisen. Offsets sind veränderliche Messwerte. Diese Ansicht beweist keine perfekte Genauigkeit gegenüber einer unabhängigen Referenz.
Merke dir: Zeitsynchronisation schätzt gemeinsame Zeit mit Unsicherheit. Dauern brauchen monotone Zeit, Kausalität ausdrückliche Beziehungen.